Ablauf der Tierheim-Vermittlung
Die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim ist kein spontaner Kauf — es ist ein strukturierter Prozess, der sicherstellen soll, dass Hund und Halter zueinander passen. Der typische Ablauf sieht so aus:
1. Erstbesuch im Tierheim
Die meisten Tierheime haben feste Besuchszeiten (oft nachmittags, unter der Woche ruhiger als am Wochenende). Beim ersten Besuch kannst du dich umsehen, mit den Pflegern sprechen und herausfinden, welche Hunde zu deiner Lebenssituation passen. Erwarte nicht, am ersten Tag einen Hund mitzunehmen — das ist ein Kennenlernen.
2. Beratungsgespräch
Ein Tierheim-Mitarbeiter wird dich ausführlich befragen: Wohnsituation (Haus/Wohnung, Garten, Vermieter-Erlaubnis), Arbeitszeiten, Erfahrung mit Hunden, andere Haustiere, Kinder im Haushalt. Das ist kein Verhör — es dient dem Wohl des Hundes. Sei ehrlich, denn nur so kann das Tierheim den richtigen Hund für dich finden.
3. Kennenlernen & Probespaziergänge
Wenn ein Hund in Frage kommt, folgen gemeinsame Spaziergänge. Die meisten Tierheime empfehlen mindestens 2–3 Besuche an verschiedenen Tagen, damit du den Hund in unterschiedlichen Situationen erlebst. Manche Tierheime bieten auch „Probewohnen“ an — der Hund zieht für 1–2 Wochen bei dir ein, bevor der Vertrag unterschrieben wird.
4. Vorkontrolle
Viele Tierheime führen eine Vorkontrolle durch: Ein Mitarbeiter besucht dich zu Hause, um sich die Wohnsituation anzuschauen. Ist der Balkon gesichert? Gibt es einen Garten? Ist die Wohnung hundesicher? Das klingt streng, ist aber Standard und zum Schutz des Tieres.
5. Schutzvertrag & Abholung
Wenn alles passt, wird der Tierschutzvertrag unterschrieben und die Schutzgebühr bezahlt. Dann darfst du deinen neuen Hund mitnehmen. Das Tierheim bleibt aber Ansprechpartner — bei Problemen kannst du dich jederzeit melden.
Was kostet ein Hund aus dem Tierheim?
Die Schutzgebühr im Tierheim liegt in der Regel zwischen 200 und 350 EUR. Sie deckt die Kosten für die bisherige Versorgung des Hundes ab:
- Kastration/Sterilisation (bei Hunden über 6 Monate meist bereits erfolgt)
- Grundimpfung (Tollwut, SHPPi, Leptospirose)
- Mikrochip und Registrierung bei Tasso/Findefix
- Entwurmung und Parasitenschutz
- Gesundheitscheck durch den Tierheim-Tierarzt
Die genaue Höhe variiert je nach Tierheim und Region. Einige Tierheime staffeln die Schutzgebühr nach Alter des Hundes — Senioren (ab 8 Jahren) haben oft eine reduzierte Gebühr von 100–200 EUR, um die Vermittlung zu fördern.
Zum Vergleich: Ein Rassehund vom Züchter kostet zwischen 1.000 und 3.000 EUR — ohne Kastration, ohne Impfungen. Die Schutzgebühr im Tierheim ist also ein Bruchteil davon und inkludiert bereits die Grundversorgung.
Voraussetzungen für die Adoption
Nicht jeder darf einfach einen Hund aus dem Tierheim adoptieren. Die Voraussetzungen variieren je nach Tierheim, aber diese Punkte werden fast immer geprüft:
- Volljährigkeit: Du musst mindestens 18 Jahre alt sein.
- Vermieter-Erlaubnis: Bei Mietwohnungen brauchst du eine schriftliche Erlaubnis des Vermieters zur Hundehaltung.
- Ausreichend Zeit: Ein Hund sollte nicht länger als 4–5 Stunden allein sein. Das Tierheim fragt nach deiner Arbeitssituation.
- Finanzielle Mittel: Du musst die laufenden Kosten (150–300 EUR/Monat) tragen können. Manche Tierheime fragen nach einem Einkommensnachweis.
- Hundeerfahrung: Bei schwierigeren Hunden (Angsthunde, Listenhunde) wird oft Hundeerfahrung vorausgesetzt.
- Alle Haushaltsmitglieder einverstanden: Partner, Kinder, Mitbewohner — alle müssen den Hund wollen.
Tierheim-Hund absichern
Nach der Adoption ist der richtige Schutz wichtig. Vergleiche Hundekrankenversicherungen für deinen neuen Begleiter.
Einfachen Überblick ansehenWartezeiten & Verfügbarkeit
Die Wartezeit vom Erstbesuch bis zur Abholung beträgt in der Regel 1–4 Wochen. Das hängt von mehreren Faktoren ab:
- Verfügbarkeit des gewünschten Hundes (beliebt sind kleine, junge, unkomplizierte Hunde)
- Zeitbedarf für Vorkontrolle und Beratungsgespräch
- Ob der Hund noch kastriert werden muss
- Ob ein Probewohnen gewünscht/empfohlen wird
Tipp: Viele Tierheime zeigen ihre Hunde auf der Website oder auf Plattformen wie shelta.tasso.net oder tierheimhelden.de. So kannst du vorab schauen, welche Hunde verfügbar sind — aber verliere dich nicht zu sehr in Online-Profilen. Der Funke springt oft erst beim persönlichen Treffen über.
Was du zum Abholtag mitbringen solltest
Checkliste Abholtag
- ✓Personalausweis (für den Schutzvertrag)
- ✓Schutzgebühr in bar oder per EC-Karte (vorher erfragen)
- ✓Halsband und Leine (passend zur Größe des Hundes)
- ✓Transportbox oder Sicherheitsgurt fürs Auto
- ✓Decke oder Handtuch (vertrauter Geruch für den Hund)
- ✓Wasser und Napf für die Autofahrt
- ✓Kotbeutel (für den ersten Spaziergang nach der Abholung)
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