Die ersten Tage zu Hause
Dein Welpe hat gerade seine Mutter, seine Geschwister und alles, was er kannte, verlassen. Die ersten Tage in seinem neuen Zuhause sind aufregend, aber auch überwältigend. Deine wichtigste Aufgabe in dieser Phase: Sicherheit geben und Routine aufbauen.
Bereite vor der Ankunft einen festen Schlafplatz vor -- eine Box (Crate) oder ein abgegrenzter Bereich mit Decke und Spielzeug. Stell Wasser bereit und zeige deinem Welpen sofort den Ort, an dem er sich lösen soll (Garten oder eine bestimmte Stelle vor dem Haus). Der erste Gang nach der Ankunft geht nach draußen -- nicht ins Wohnzimmer.
In den ersten 2-3 Tagen gilt: Weniger ist mehr. Kein Besuch von Freunden, keine Ausflüge in die Stadt, kein Streichelmarathon. Dein Welpe braucht Zeit, um seinen neuen Lebensraum zu erkunden und sich sicher zu fühlen. Lass ihn in seinem Tempo die Wohnung entdecken und biete ihm immer wieder seinen Rückzugsort an.
Die Prägungsphase nutzen
Zwischen der 4. und 16. Lebenswoche befindet sich dein Welpe in der sogenannten Prägungsphase. In dieser Zeit ist sein Gehirn besonders empfänglich für neue Erfahrungen. Was er jetzt positiv kennenlernt, wird er als erwachsener Hund gelassen hinnehmen. Was er verpasst, kann er nur noch mit deutlich mehr Aufwand nachholen.
Da die meisten Welpen mit 8-10 Wochen zu ihren neuen Besitzern kommen, bleiben dir nur 6-8 Wochen in der Prägungsphase. Nutze diese Zeit gezielt, aber ohne deinen Welpen zu überfordern. Plane pro Tag 1-2 kurze Erkundungseinheiten (je 15-20 Minuten) und achte auf ausreichend Schlaf dazwischen. Welpen brauchen 18-20 Stunden Schlaf pro Tag.
Prioritäten in der Prägungsphase: Geräusche (Staubsauger, Straßenverkehr, Türklingel), verschiedene Bodenbeläge (Gras, Fliesen, Kies, Gitterroste), unterschiedliche Menschen (Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Hut oder Regenschirm) und erste kontrollierte Hundebegegnungen (Welpenspielgruppe ab der 2. Impfung).
Stubenreinheit als Priorität Nr. 1
Stubenreinheit ist das Erste, was du aktiv trainieren solltest -- ab dem allerersten Tag. Die Regel ist einfach: Alle 2 Stunden nach draußen, plus nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen und vor dem Schlafengehen. Sobald dein Welpe draußen sein Geschäft erledigt, gibt es ein begeistertes Lob und ein Leckerli.
Missgeschicke in der Wohnung werden kommentarlos weggewischt. Kein Schimpfen, kein "Nein!", kein mit-der-Nase-reindrücken (ein Mythos, der leider nicht totzukriegen ist). Dein Welpe versteht den Zusammenhang nicht und wird nur ängstlich. Nutze einen Enzymreiniger, um den Geruch vollständig zu entfernen -- normaler Putzmittel reicht nicht, denn die Hundenase riecht Rückstände, die wir nicht wahrnehmen.
Zeitrahmen: Die meisten Welpen sind nach 4-8 Wochen konsistentem Training zuverlässig stubenrein. Kleinere Rassen brauchen tendenziell länger, weil ihre Blase kleiner ist. Rückfälle beim Zahnwechsel oder in neuen Umgebungen sind normal.
Name und Bindung aufbauen
Dein Welpe kennt seinen Namen noch nicht. Für ihn ist es zunächst nur ein Geräusch unter vielen. So bringst du ihm bei, auf seinen Namen zu reagieren:
- Sage den Namen in einem fröhlichen Ton.
- Sobald dein Welpe dich anschaut: Leckerli + Lob.
- Wiederhole das 10-15 Mal am Tag, verteilt über den Tag.
- Steigere die Ablenkung: erst in der Wohnung, dann im Garten, dann draußen.
Wichtig:Verwende den Namen nie negativ. Kein "Bello, NEIN!", kein "Bello, AUS!". Der Name soll immer ein positives Signal sein, das bedeutet: "Schau mich an, es lohnt sich."
Bindung entsteht nicht durch Kuscheln allein, sondern durch gemeinsame Erlebnisse und Verlässlichkeit. Spiele kurze Suchspiele (Leckerli in der Hand verstecken), gehe gemeinsam auf Entdeckungstour und sei der sichere Hafen, zu dem dein Welpe zurückkehren kann, wenn die Welt gerade zu viel wird.
Wochenplan: Was wann trainieren
Woche 1-2 (Eingewöhnung):
- Stubenreinheit trainieren (Zeitplan etablieren)
- Schlafplatz / Box-Training beginnen
- Name lernen
- Wohnung erkunden lassen
- Erste Geräusche kennenlernen (Staubsauger leise, Türklingel)
Woche 3-4 (Erste Kommandos):
- "Sitz" trainieren (5 Min. pro Einheit, 3x täglich)
- Halsband/Geschirr gewöhnen
- An Leine gewöhnen (nur im Garten)
- Beißhemmung beginnen
- Welpenspielgruppe besuchen (ab 2. Impfung)
Woche 5-6 (Aufbauen):
- "Platz" trainieren
- Erste kurze Spaziergänge (10-15 Min.)
- Autofahren üben (kurze Strecken)
- Alleinbleiben schrittweise beginnen (1-5 Min.)
- Verschiedene Untergründe kennenlernen
Woche 7-8 (Festigen):
- "Hier" und "Bleib" einführen
- Leinenführigkeit trainieren
- Alleinbleiben steigern (15-30 Min.)
- Besuch bei Freunden / in Cafés
- Alle bisherigen Übungen in neuen Umgebungen wiederholen
Überforderung vermeiden
Der häufigste Fehler in den ersten Wochen: zu viel auf einmal. Neue Hundebesitzer lesen Ratgeber, schauen YouTube-Videos und wollen alles gleichzeitig trainieren. Das Ergebnis ist ein überreizter, übermüdeter Welpe, der gar nichts mehr lernt.
Anzeichen von Überforderung:
- Dein Welpe gähnt häufig (nicht aus Müdigkeit, sondern als Stresssignal)
- Er leckt sich ständig über die Nase
- Er dreht den Kopf weg oder meidet Blickkontakt
- Er kratzt sich plötzlich (obwohl er keinen Juckreiz hat)
- Er wird "hyperaktiv" -- rennt planlos umher, kann nicht zur Ruhe kommen
Wenn du diese Signale siehst: Trainingsende. Bring deinen Welpen an seinen Schlafplatz und lass ihn ruhen. Morgen ist auch noch ein Tag. Die wichtigste Lektion in der Welpen-Erziehung gilt nicht für den Hund, sondern für den Menschen: Geduld.
Erziehung schützt -- Versicherung auch
Auch der besterzogene Hund kann krank werden. Mit einer Hundekrankenversicherung bist du im Ernstfall abgesichert.
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